home  |  impressum  kontakt  
     
 
Bericht von Ursula Flüeck über die Einweihnung des Neufahrn Carpentry Training Centres im April/ Mai 2006
Bei meinem Besuch in Kerala durfte ich am 02.05.2006 stellvertretend für die Gemeinde Neufahrn das Carpentry Training Centre eröffnen. Es ist direkt in Mararikulam gelegen, wo auch Samhathi India seinen Stützpunkt hat. Das Centre ist zwar nur 19 Meter lang, 8 Meter lang und offen, aber auf diese kleine Halle konzentrieren sich die Hoffnungen der ersten 25 jungen Inder, die hier ihre Schreinerlehre absolvieren möchten. Ziel des Projekts ist es, für arbeitslose Jugendliche aus den armen Fischerfamilien ein Ausbildungszentrum im Schreinereihandwerk mit integrierter Produktionsstätte zu errichten. Der letzte Tsunami hat den Küstengürtel in Kerala verwüstet. 20.000 Fischer verloren nicht nur ihre Arbeitsmaterialien, sondern alles, was sie je ihr bescheidenes Hab und Gut nennen konnten. Die Kinder sehen einer unsicheren Zukunft mit geringer Hoffnung entgegen. Glücklicherweise bietet die Möbelindustrie sehr gute Möglichkeiten für Schreiner. Unser neues Centre mit seiner provisorischen Werkstatthalle, seinem Lager zur Holztrocknung, seinem Ausstellungsraum und dem kleinen Büro, bietet die Möglichkeit, um nun mit der Ausbildung junger Schreiner und der Produktion von Möbeln beginnen zu können.
Da Samhathi bereits über das notwendige Land verfügte, um die Gebäude und Lager zu errichten, wurde noch für den Bau finanzielle Hilfe benötigt. Hier ist die Gemeinde Neufahrn i. NB eingesprungen mit ihrer Zusage, 5 Jahre lang dieses aussichtsreiche Projekt finanziell zu unterstützen. Dank der Spendenfreudigkeit von vielen Vereinen und Privatpersonen aus der Gemeinde Neufahrn und einer zusätzlichen Spende der Gemeinde Markranstädt konnte bereits Ende 2005 mit dem Bau begonnen werden.

Unsere Freunde und Mitarbeiter von Samhathi haben in ihren feierlichen Reden die Bedeutung des Centres unterstrichen. Sony, einer der engsten Mitarbeiter Fr. Jacobs und Projektmanagern nannte den 02. Mai einen Tag, an dem ein lang gehegter Wunsch der Gemeine Mararikulam in Erfüllung gehe. Mr. Josey, Fr. Jacobs Onkel, ergriff auch das Wort und ging auf die grundlegende Bedeutung des Schreinereiberufs ein. Er sei als „nobler Beruf“ beschrieben in den alten heiligen hinduistischen Texten (z.B. den Vedas), und auch im alten und neuen Testament des Christentums werde der Beruf gewürdigt, so dass es ein Privileg sei, dieses Handwerk zu erlernen. Dank an die Partnergemeinde wurde vielfältig ausgedrückt, von Fr. Jacob verbunden mit einer Einladung an die Bürger der Gemeinde Neufahrn. Dies mag auf den ersten Blick wie eine Formalität klingen, ich weiß aber, wie ernst es gemeint ist und habe schon miterleben dürfen, wie unsere indischen Freunde Gäste aus dem Ausland, auch größere Gruppen, gastfreundlich und herzlich aufnehmen und bisher noch allen einen unvergesslichen Aufenthalt bereitet haben.
Ich selbst habe in meiner Rede versucht, ein klein wenig zu erfassen, wie uns der Tsunami trotz seiner Schrecklichkeit gleichzeitig spüren ließ, wie klein die globalisierte Welt ist und wie nahe wir uns auf den verschiedenen Kontinenten gekommen sind, wie viele der glücklicherweise verschonten Menschen zum Spenden für die Betroffenen animiert wurden.
Genauso wichtig, langfristig vielleicht sogar wichtiger als die erste Hilfe ist die schwierige Arbeit danach, die aus dem Aufbauen einer neuen Zukunftsperspektive und dem Planen neuer Projekte besteht. Frau Christina Rau, die Gattin des ehemaligen Bundespräsidenten und  Tsunami-Beaufragte der Bundesregierung, sagte bezüglich der Tsunami-Projektarbeit, "wir wollen Qualität und keine oberflächliche, vordergründige Hilfe. Wir müssen geduldig sein". Ein solch qualitatives Projekt ist in Mararikulam / Kerala - Südindien Wirklichkeit geworden und ich konnte und wollte meine Freude darüber nicht verhehlen. Dass wir dies neben der unerschütterlichen Hoffnung der Küstenbewohner, die sich wohl nie unterkriegen lassen, auch Neufahrn mit ihrem Bürgermeister Zauner, seinen Stellvertretern und Mitarbeitern, ihrem katholischen Pfarrer Six und seiner Pfarrgemeinde, seiner Realschule mit ihrer Schulleitung, Lehrern und Schülern verdanken, und insbesondere der Initiative unserer beiden Samhathi-Mitglieder Andrea Seeanner und Otto Pritscher, das habe ich deutlich erwähnt. Ich war froh und stolz, daß ich das Carpentry Center einweihen durfte und wie immer in Indien, war die Feierlichkeit sehr warmherzig, farbenfroh und von Liedern, Tanz, Gebet und der Entzündung einer Öllampe begleitet, die den Funken der Hoffnung verdeutlichte, der hier entzündet wurde.                                                                                                                        Ursula Flüeck